Integration im Global Village ? II - Der Presseclub (ARD) am 24.9.2006 (Teil I)
“Noch eine Chance für friedliches Miteinander? Deutschland vor der Berliner Islam-Konferenz” titelt der Presseclub der ARD am 24.9.2006 (Moderation Monika Piel, Redaktion Michael Hirz) und der besorgte Fernsehzuschauer fragt sich am frühen Sonntagmittag, ob in Deutschland der Bürgerkrieg bevorsteht.
Wie und auf welchen Wegen sich ein politischer Dialog zwischen Staat und muslimischer Gesellschaft in Deutschland verbessern lässt, wie die Integration gelingen kann, welche
Sicherheitsbedürfnisse die Deutschen haben, welche sozialpolitischen und welche Bildungsfragen neu gestellt werden müssen, wollen die Teilnehmer der Diskussion im Presseclub am 24. September wissen.
Auch unser Verhältnis zum Islam und seinen Glaubensrichtungen steht auf der Liste der offenen Fragen. Kann ein “westlicher Islam” Fortschritte im Zusammenleben der Kulturen in Deutschland bewirken?
Katajun Amirpur, Publizistin und Islamexpertin, ist für dieses Projekt und den Dialog der Muslime untereinander. Sie weist aber auch darauf hin, dass es im Islam bereits bisher übersehene Reformbewegungen gibt und stellt fest, dass die in Deutschland lebenden Muslime sich in ihrer großen Mehrheit “als ganz normale deutsche Bürger” ansehen.
Auch die Moderatorin im Presseclub erinnert daran, dass nach den Erkenntnissen des Verfassungsschutzes tatsächlich nur ein Prozent der 3,2 Millionen in Deutschland lebenden Muslime als “radikal” eingestuft werden kann und davon wiederum nur ein Zehntel zur Gewalt bereit ist.
Die vom deutschen Innenminister für den 27.9.2006 geplante “Islam-Konferenz” kann nach Meinung des Presseclubs der ARD keinen repräsentativen Dialog herstellen, weil die beteiligten Organisationen maximal 20.000 der in Deutschland lebenden Muslime repräsentieren. Hinzu kommt, dass 700.000 Schüler aus moslemischen Familien in Deutschland zur Zeit keinen staatlichen islamischen Religionsunterricht erhalten.
Das eigentliche Problem jedoch, findet Wolfram Weimer vom Cicero, ist der ‘Kulturkampf’ zwischen dem modernen demokratischen Staat mit seinen für alle Bürger geltenden Werten auf der einen und den konservativen islamischen Predigern auf der anderen Seite, die unvereinbare Erziehungs- und Verhaltensbotschaften aussenden. Der ‘islamische Totalitarismus’ (Weimer) in der Frauenfrage z.B. (Berliner Ehrenmord, Auswanderung der Anwältin Atesch) sei ernst zu nehmen.
Wulf Schmiese von der FAZ am Sonntag dagegen hält allein schon wegen der Sprachdefizite den Versuch für aussichtslos, von seiten des deutschen Staates einen erfolgreichen Koran-Unterricht etablieren zu wollen.
Die freie Journalistin Hilal Sezgin kritisiert mit Nachdruck, dass nach ihrer Ansicht - auch in der Diskussion im Presseclub - ein falsches Bild von der islamischen Frau in Deutschland besteht. Der Schleier z.B. sei kein Indiz für die innere Einstellung, das demokratische Verständnis oder gar die Intelligenz von moslemischen Frauen. (Weiterer Teilnehmer: Hans Monath, Tagesspiegel) (Teil I)
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