Tagebuch 9.2.2007 - Blogfragen VI : Die “Blogosphäre”…was ist das?
Die Blogosphäre bezeichnet den Teil des Internet, der von den Webtagebüchern ( > Weblogs ) und ihrer Kommunikation hergestellt wird. Private Weblogs mit überwiegend persönlichen Themen überlagern sich mit kommerziellen oder (halb)- staatlichen bzw. politisch orientierten Angeboten. Wer im deutschen Sprachgebiet mit seinem Weblog Geld verdienen will, sieht sich derzeit noch meist enttäuscht, weil die Verbreitung der Blogs stark zu wünschen übrig lässt und die Besucherzahlen und Zugriffe noch nicht die für bezahlte Werbung üblichen Größenordnungen erreichen.
Dennoch ist die Kommunikation im Blog - der ständige Informationsaustausch und die Diskussion der Blogschreiber und Blogleser in den Kommentaren - für Medien, Unternehmen und die übrige Öffentlichkeit nicht ohne Bedeutung. Was z.B. für schlechten Service gilt - dass im Durchschnitt sieben Personen davon erfahren, während gute Leistungen nur einmal erwähnt werden - das gilt auch für die Firmeninformation im Blog. Ein gutes Image im World Wide Web scheint eine durchaus flüchtige Angelegenheit zu sein und sein Fortbestand ist ebenso sensibel, wie das Bild, welches auf dem Weg konventioneller Medien (Radio. Fernsehen, Zeitung etc. ) verbreitet wird. Hinzu kommt:
In der Blogospäre kennt man sich, hat seine Kommunikationsgewohnheiten und achtet auf die Einhaltung von Spielregeln. Wer privat ein Blogtagebuch schreibt, kann eine höchst subjektive Ansicht mitteilen und doch in der Lage sein, in einem ansprechenden Stil zu schreiben. Wer dagegen in einem großen Zeitungshaus arbeitet, ein Wochenmagazin herausgibt oder Fachaufsätze verfasst, ist in der Regel zwar journalistischen Standards unterworfen, hat aber nicht selbstverständlich Erfolg, wenn er ein langweiliges Webtagebuch ( ein(en) > Blog ) eröffnet. Die meisten Blogger benutzen zudem ihre Webseite höchst individuell für Tagebucheintragungen, als Notizzettel, als Schwarzes Brett, als öffentliche Anschlagtafel oder für den Smalltalk mit den Blogbesuchern.
Kommentare dazu sind zumeist erwünscht, aber auch das stille Mitlesen ist willkommen. Am schönsten finden es die Blogger, wenn sich eine handfeste Kontroverse zwischen zwei unterschiedlichen Personen, Meinungen oder auch Standpunkten ergibt. Dann kann - wie überall - heftig gestritten, beleidigt und nachgekartet werden, ohne dass man gleich vor Gericht ziehen oder Schadenersatz fordern muss. (vgl: Der Kaperbrief, Freitag, den 28. Juli 2006, Kleine Prügelei am Strand).
Wer im Internet einen Blogbeitrag kommentiert, hat zudem die Möglichkeit, dies anonym zu tun, indem er einen Kunstnamen (Pseudonym., Nickname ) wählt und seine wahre Identität zurückhält. Ob dies letztlich zum Vorteil der jeweils geführten Diskussionen im Blog ist, kann nur im Einzelfall entschieden werden. Der größeren Freiheit und Ungebundenheit beim Kommentieren mit dem Pseudonym steht die Frage nach dem Wahrheitsgehalt der im Blog anonym gemachten Aussagen gegenüber. Wer sich jedoch für die andere Möglichkeit entscheidet und beim Bloggen seinen ‘Klarnamen’ verwendet, muss damit rechnen, dass eine aus einer besonderen Situation und Stimmungslage heraus entstandene spontane Äußerung noch nach Jahrzehnten im Internet zu finden ist und mit seiner Person verbunden wird.