Tagebuch 8. Juni 2007 - Das neue Afrika I : Die chinesische Eisenbahn fährt bis in den Sudan…
Quelle: PHOENIX TV 8.6.2007 / Das Bild des sudanesischen Lokführers, der gerade von einem chinesischen Kollegen ausgebildet wird und mit ihm aus internationalen Sprachbrocken zusammengesetzte Witze macht, spricht Bände: Auch ohne das Gipfeltreffen in Heiligendamm funktioniert die neue Zusammenarbeit zwischen China und Afrika. Deutsche Firmen helfen bei der Projektplanung, chinesische Gastarbeiter und Ingenieure machen die Bauausführung - 7 Tage in der Woche, fleißig, billig und unproblematisch - und die Afrikaner erteilen den Auftrag. Verkehrte Welt im 21. Jahrhundert?
Während man in Washington und München beim Stichwort “Afrika” noch an Beduinenzelte denkt, ist das neue Khartoum (Hauptstadt Sudans) auf dem Computer schon fertig. Europa scheint zu schlafen und die Herausforderung zur Mitarbeit am Bau des neue Afrika zu verpassen. Auch politische Fragen spielen eine Rolle: Wer im Geschäft mit den USA bleiben will, muss sich als traditionelle deutsche Ingenieurfirma aus dem Sudan zurückziehen, weil die Amerikaner ein Handelsembargo verhängt haben und von den deutschen Partnern Solidarität einfordern. Andere deutsche Unternehmen jedoch haben die Zeichen der Zeit erkannt und arbeiten auch in Angola und Nigeria mit den chinesischen Baufirmen zusammen.
Die Afrikaner ihrerseits verfügen über die in China dringend benötigten Energievorräte und nehmen nun ihre Chance zur Modernisierung der eigenen Wirtschaft und Infrastruktur wahr: Öl- und Gas-Lieferungen gegen komplett aus China importierte Industrieanlagen. Nebenbei lernt man in Afrika, mehr eigene Fachleute auszubilden und sich das von den ausländischen Spezialisten mitgebrachte Knowhow selbst anzueignen.