Blogfragen XVII - Viel Lärm um Nichts? II - Was Blogs eigentlich (sein) können…
Im Juni 2007, S.F.: Bezug: Diskussion an der Blogbar (blogbar.de) 27.6.2007 (Thema Handelsblatt-Blogs). / Der Kaperbrief: “Viel Lärm um Nichts?” Was Blogs eigentlich (sein) können - ein polemischer Kommentar…
Was Blogs eigentlich sein können und welche Bedeutung sie haben, ist unter den Experten, den Online-Journalisten, den Bloggern und ihren Lesern noch immer in der Diskussion. Dabei sind die Gründe, ein Blog einzurichten und darin zu schreiben ebenso unterschiedlich wie die damit verbundenen Erfolgserwartungen. - Woran aber erkennt man ein gutes Blog? Daran, dass es ‘denkt’, dass es gut erzählt, dass es provoziert, dass es viele Kommentare hervorruft, dass es journalistischen oder werblichen Standards genügt oder daran, dass es ‘dem (Blogger-)Volk’ geeignet ‘auf’s Maul’ schaut? Ist ein guter Platz in den deutschen Blogcharts ( deutscheblogcharts.de) ein sicheres Anzeichen für ein Qualitätsblog? Wieviel Kritik und eigenbrödlerische Seltsamkeit darf sich ein anerkanntes Blog leisten? Ist die Anzahl der Webseiten oder Blogs entscheidend, die auf das Blog verlinken? Welche Themen ‘kaufen’ die Blogleser und welche nicht?…
Irgendwie ist in den Blogs alles anders und dann doch - Gott sei Dank! - wieder so, wie wir es auch aus der Zeitung, dem Radio und dem Fernsehen gewohnt sind. Die schriftliche Blogosphäre ähnelt in weiten Teilen einer unendlich ausgedehnten Boulevardzeitung, die von wenigen Büchern zum Nachschlagen unterbrochen wird. Neben den ungezählten Bildern, die z.B. über die Farbe beinahe jedes privaten Gartenzauns Auskunft geben, klingelt und tönt es in den Blogs und demnächst wird es da gewiss auch gut riechen…
Erfolgreiche Blogs sind schon lange auf dem Weg, ihren Usern den Kaffee “persönlich” einzuschenken, sie mit auf die Reise in den Süden zu nehmen, am Abend zu trösten und in der Nacht mit Trollen und Geistern zu unterhalten. Schauderhafte Einblicke in das pivate Beziehungsnetzwerk junger Mädchen, alternder Wissenschaftler und manches verhinderten Politikers eröffnen die Blogs außerdem und machen an der Stelle weiter, wo mancher BILDleser gerne einmal ein Loch in seine Zeitung gegraben und weitergelebt hätte.
“Second Live” heiß das dann, aber man braucht eine Kreditkarte und muss wissen, was ein “Avatar” ist. Nicht für jeden überzeugten BILDbenutzer geeignet. Wer dann aus den eingebildeten sexuellen Abenteuern des ‘zweiten Lebens’ wieder aufgetaucht und an den Schreibtisch zurückgekehrt ist, findet die Blogosphäre eher traurig vor. Man streitet - beinahe immer - über dieselben Themen: Soll man sich für das Bloggen Geld wünschen? Was haben Firmen und ihre Werbung in den Blogs zu suchen? Haben die Blogger irgendwelche politischen oder gar ‘moralischen’ Ansprüche? Wer kann, soll und darf sich eine (eigene) Meinung leisten? Ist die ganze Bloggerei nicht viel zu ‘gefährlich’ bzw. mühselig?
Und: …wer darf in der “Stadt der Blogger” denken, vordenken oder gar nachdenken? Ganz sicher steht in den Blogs nur das zu lesen, was ‘ganz normale’ Menschen sich beim Schreiben am Computer einfallen lassen. Oder entstehen im Blog doch neue Identitäten? Darf Blogger ‘White’ (oder ‘Black’) sich Äußerungen leisten, die sein wahres (gewöhnliches) Ich nicht wagen würde? (Fortsetzung folgt) (c) sfu-online 2007