Sollen Arbeitnehmer sich am Kapital beteiligen? Der ARD-Presseclub am 1.7.2007
Quelle: ARD/WDR, 1.7.2007: “Werden wir ein Volk von Kapitalisten? Was bringt ein Deutschlandfonds? Arbeitnehmern soll die Beteiligung am wirtschaftlichen Erfolg ihrer Unternehmen erleichtert werden. Darin ist sich die Koalition einig. Doch Union und SPD favorisieren unterschiedliche Modelle. Bahnt sich da neuer Streit an?” fragte der Presseclub der ARD (Moderation Peter Voss) am 1. Juli 2007 und die versammelten Journalisten (Richard Meng, FR / Margaret Heckel, WamS /Michael Sauga, Spiegel / Reinhard Zweigler, Ostsee-Ztg.) waren sich darin einig, dass 600 Mio. Euro oder vielleicht sogar eine Milliarde staatliche Subvention für betriebliche Arbeitnemerbeteiligungen noch keine neue soziale Marktwirtschaft erzeugen.
Die kleine Subvention, die unter dem Stichwort “Deutschlandfonds” im Sommer 2007 unter den Berliner Regierungsparteien diskutiert wird, erweist sich beim näheren Hinschauen als eine sehr politische Angelegenheit, die die Verlegenheit des Staates offenbart, wenn es um die Suche nach wirksamen Maßnahmen gegen die anhaltende Tendenz zur Steigerung der Unternehmensgewinne bei gleichzeitigem Absinken der niederen Einkommen geht.
Sollen Arbeitnehmer ein unternehmerisches Risiko eingehen? Die SPD meint “nein” und will etwaige Verluste durch die Staatskasse abfedern, die CDU/CSU dagegen hält es für vertretbar, dass das von Arbeitnehmern in ihr eigenes Unternehmen investiertes Geld verloren gehen kann. Im übrigen ist die Idee mindestens 60 Jahre alt (Meng) und es gibt schon einige Beispiele, die in Vergangenheit und Gegenwart funktioniert haben (Der Spiegel, HP Computer, ….).
Wer genauer hinsieht, erkennt den vielfältigen Zusammenhang des Themas: Von der Mitarbeitermotivation, -Bindung und -Mitbestimmung bis zum Problem des West-Ost-Lohngefälles in Deutschland, des Fachkräftemangels in zahlreichen Regionen bis zur unbefriedigenden Alterssicherung und der Diskussion über den Mindestlohn bzw. das Grundeinkommen - die Frage, wie soziale Gerechtigkeit entsteht, politisch gestaltet und gesellschaftlich nachempfunden wird, ist mit einer winzig kleinen Kapitalrendite aus der Arbeitnehmerbeteiligung am Unternehmensgewinn nicht zu lösen.