Tagebuch 3.7.2007 - Darf man sich in ein Radio verlieben? Eine fast ernst gemeinte Liebeserklärung …
Frankfurt am Main, im Juli 2007, S.F.: Es ist einfach umwerfend! Die Auswahl der Musik, die guten und sehr klug kommentierten Beiträge, die präzise und doch unterhaltsam geführten Interviews, die humorvolle Moderation - Ich bin verliebt - in mein Radio! Besser müsste es heißen “in meinem Radio” und eigentlich bin ich in die Frau verliebt, die im Radio ist. Ist es die schöne Stimme, “cool” und warm zugleich? Ist es die sensible Art des Umgangs mit meinen Lieblingsthemen, ist es die manchmal verblüffende Ähnlichkeit bei der Einschätzung politischer und kultureller Begebenheiten, die mich fasziniert? Ist es die kühle Klarheit, mit der sie mit einem Nebensatz ein scheinbar sehr bedeutendes Thema auf seinen wahren Stellenwert reduziert? Ist es der exzellente Geschmack bei der Auswahl guter Musik zur Sendung?
Jedenfalls geht es mir richtig gut und der Himmel klart sich auf, wenn ich morgens das zweite Hörfunkprogramm einschalte und bemerke, dass sie im Radio ist. Sie spricht gutes Deutsch, ohne arrogant zu wirken - sie versteht, was sie sagt - sie kommentiert die heikelsten Themen, ohne in Verlegenheit zu geraten - sie ist eine engagierte Journalistin - sie interessiert sich für dieselben Themen und Fragen wie ich - sie entlockt auch prominenten Interviewpartnern persönliche Äußerungen, die im Medium Radio oder Fernsehen sonst nicht zu hören sind. Sogar Frauenthemen kann ich mir hier manchmal gut anhören, ohne dass mir böse oder kritische Bemerkungen dazu einfallen. Wie macht sie das?
Soll ich ihr Blumen schicken? Soll ich einen Essay über die Frau im Radio schreiben? Eine Hommage, eine Laudatio, einen Liebesbrief? Am besten einfach nur weiter Radio hören - auf die Gefahr hin, süchtig zu werden.
Anmerkung: Um allen Missverständnissen vorzubeugen: Dies ist ein literarischer Text (!), der auf reiner Erfindung begründet ist. Alle Ähnlichkeiten mit real exisiterenden Personen sind unbeabsichtigt und rein zufällig.