Der Kaperbrief - das Logbuch für die mediale Seefahrt

“Warum ist die Erde flach?” - der ARD-Presseclub (WDR) sucht nach seinem Profil… (8.7.2007)

8.7.2007, S.F.: “Terrordrohungen gegen Deutschland - Bundeswehr raus aus Afghanistan? Die versuchten Anschläge von Glasgow haben einmal mehr gezeigt, dass der Terror in Europa Fuß gefasst hat….” (Quelle: wdr-presseclub) (http://www.wdr.de/tv/presseclub/index.phtml) KOMMENTAR, Der Kaperbrief:

Die Themen Terrorismus und Afghanistan-Einsatz der deutschen Bundeswehr sind in ihrer Vielfältigkeit und Komplexität  zu groß für eine 45-Minuten-Sendung im ersten deutschen Fernsehprogramm. Das wäre eigentlich kein Problem, wenn sich im ARD-Presseclub, der traditionellen Sonntagsrunde von Journalisten aus Köln, weiterhin wie zu Zeiten von Fritz Pleitgen eine souveräne Moderation, Sachverstand und Erklärungskompetenz treffen würden. Gerade dies jedoch ist zum Bedauern des interessierten Zuschauers seit einiger Zeit nicht mehr der Fall.

Im Presseclub der ARD werden seit dem Früsommer 2007 immer häufiger Stammtischreden gehalten und alte Themen ohne nennenswerten Informationszuwachs wieder aufgelegt, so dass der von früher gewohnte Vorteil für den Fernsehnutzer, sonntags um zwölf Uhr vom Informationsvorsprung einer Experten-Runde zu profitieren und sich dabei eine ganze Woche Zeitunglesen zu sparen, verloren gegangen ist. Auch im heutigen ARD-Presseclub am 8.7.2007 zeigt sich - mit Ausnahme einiger guter Bemerkungen des Buchautors Udo Ulfkotte - bei den an der Sendung Beteiligten wenig Wissen zum Thema. Dafür gibt es umso mehr Meinung und persönliche Irgendwie-Einschätzung zu hören.

Ohne gute Sachkenntnis über Internationale Politik zu spekulieren, ist aber schon im Alltagsgespräch nicht besonders erfreulich. Beim größten Sender des öffentlich-rechtlichen deutschen Fernsehens (WDR) jedoch ist der rasante Qualitätsverlust der Presseclub-Diskussion kein Kavaliersdelikt mehr. Schlimm genug, dass sich der Pfarrer aus der sonntäglichen Morgenfeier im hessischen Radio fast ausschließlich mit Schlagworten und stereotypen, fest gefügten Einschätzungen hören lässt. Die Journalistenrunde im WDR sollte sich daran kein Beispiel nehmen.

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