Journalismus
“Der Kaperbrief - Das Logbuch für die mediale Seefahrt”, 26.9.2006: Thesen zum Berufsbild ‘Journalismus 2010′:
Einleitung: Nach dem “netzwerk recherche” , dem DJV und zahlreichen anderen Initiativen (vgl auch die Bad Homburger Qualitätsrichtlinien für die Arbeit im Journalismus 2010, news-online.de Juni 2006) bemüht sich nun auch der VBJ (Verein Berliner Journalisten) um ein “Berufsbild des Journalisten” und hat dazu 12 Thesen aufgestellt und will damit “dem gewandelten und künftigen Berufsbild von Journalisten” Rechnung tragen (Debatte u.a. auf jonet.org).
In der Intention trifft sich der VBJ in seinem Grundsatztext mit anderen Journalistenverbänden: Man will einerseits traditionelle journalistische Standards bewahren und durchsetzen ( These 1 : Journalist soll sich nicht jeder nennen ) und “andererseits den Entwicklungen der Medienwelt gerecht werden”.
Die VBJ-Thesen in Kurzfassung: “Journalist” abgrenzen, ‘Mindeststandards’, Tatsachenbericht und ‘Wahrhaftigkeit’, ‘Handwerkszeug’ / Ausbildungsvorbehalt, Hauptberuf/Haupteinkommen, Unabhängige (Selbst-) Finanzierung, Universalität (Medienbezug), Trennung von journalistischer und PR-Arbeit (Einzelfallbetrachtung), Journalist und Technik, Führungskräfte als Journalisten (Trennung von redaktioneller und ‘kaufmännischer Verantwortung’), Ausschlusskriterien vom Berufsbild Journalist.
Kommentar: Die Gratwanderung zwischen Verteidigung des (traditionellen) Berufsbilds des Journalisten und der Anpassung an die längst erfolgten Veränderungen im Berufsfeld gelingen auch dem VBJ nur ansatzweise. Man kann sich nicht wirklich darauf einigen, was “Journalisten 21″ eigentlich sind, was sie sein sollen und sein dürfen und wer jeweils darüber zu entscheiden hat. (c) 2006-09-26 Stephan Fröhder.
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26.9.2006: Thesen zum Berufsbild ‘Journalismus 2010′:
These 1: Wer den Beruf des Journalsiten 2010 neu definieren will, muss sich an der Frage der Qualitätssicherung orientieren.
These 2: Was in der journalistischen Arbeit als Qualität gelten kann, entscheiden weder die Verbände noch die Ausbilder noch einzelne Medienunternehmen. Qualität im Journalismus erweist sich an jedem Stück offener, begründeter, glaubwürdiger und gelungener Kommunikation, an einem “Konzert der richtig angeschlagenen Töne”.
These 3: Wer guten Journalismus von schlechtem abgrenzen will, muss neben der Aufstellung von Qualitätskriterien auch für die “Geschmacksbildung” beim Publikum sorgen ( > Markt).
These 4: Realitätsbezug und Wahrhaftigkeit im Journalismus müssen durch Kreativität und die fachlich begründete Fähigkeit ergänzt werden, die richtigen Fragen zu stellen. ( > Vision).
These 5: Journalismus kann auf verschiedenen Wegen erlernt werden. Für guten Journalismus entscheidend ist - neben analytischer und sprachlicher Kompetenz - letztlich die Frage, ob ein professioneller und verantwortungsbewusster Umgang mit Informationen stattfindet.
These 6: Ökonomischer Erfolg des Journalisten und seine feste Verankerung im Medienmarkt kann eine Basis für journalsitische Unabhängigkeit sein, taugt jedoch nicht als Kriterium dafür, wer sich Journalist nenen darf. (> Karriere und Abhängigkeit).
These 7: Wer als Journalist arbeitet, muss zusätzliche PR-, Berater- und Lobby-Aktivitäten etc. klar ausweisen und damit seine jeweilige Position anzeigen, wenn sich Interessen überschneiden.
*** news-online.de :: wissen, was zählt… - “Bad Homburger Qualitätsrichtlinien für die Arbeit im Journalismus 2010″ - ENTWURF - April/Juni 2006 *** geschrieben von: Admin2news am 20.06.2006, 09:45 Uhr aktuelle, ausgewählte news *** news-online.de - MEDIENBLOG, Nachtrag vom April 2006
*** ENTWURF: Bad Homburger Qualitätsrichtlinien für die Arbeit im Journalismus 2010 *** Der folgende Entwurf der Bad Homburger Qualitätsrichtlinien ist als Vorschlag, als Anregung, als Diskussionsbeitrag zur Debatte um professionelles journalistisches Arbeiten zu verstehen. Dabei kann die grundsätzliche Frage, ob es solcher Richtlinien überhaupt bedarf, durchaus offen bleiben. Bevormundung oder Besserwisserei sind keinesfalls beabsichtigt. Stephan Fröhder *** >>> weiterlesen
*** Übersicht/Stichworte zum Thema ….Arbeit im Journalismus 2010: 1. sachgerecht…, 2. schnell…, 3. glaubwürdig…, 4. gründlich…., 5. “transparent”…, 6. ‘dankbar’?….., 7. ‘objektiv’…, 8. ’selbstkritisch’…, 9. ‘lernwillig’…, 10. ‘vernetzt’…. *** Der Beitrag wird fortgesetzt (c) sfu 2006 + Direktkontakt: s.froehder@gmx.de …
Bad Homburger Qualitätsrichtlinien für die Arbeit im Journalismus 2010 *** 1. sachgerecht: …als Journalist/in sollten Sie sachgerecht, verständlich und begründet berichten (Richtigkeit, kommunikative Qualität, Quellenangabe). +++ Kommentar: Nicht alles, was Sie - z.B. als Parlamentsberichterstatter - selbstverständlich wissen, ist auch dem Leser, Zuhörer oder Zuschauer geläufig. Wenn Politiker ‘fachsimpeln’, müssen Sie “die Übersetzungsarbeit” leisten! >>> vgl. gute Fragen im Interview, …
***….. 2. Kombinieren Sie schnelle und ‘intelligente’ Berichterstattung mit dem Recherche-Feedback von Kollegen, Lesern und Betroffenen. Reagieren Sie und berichtigen bzw. ergänzen Sie Ihren Bericht. +++ Kommentar: Moderner Journalismus ist dialogorientiert. >>>
*** …..3. Versprechen Sie bei Recherche und Redaktion nur das, was Sie auch halten können. Schlagzeilen und Titel sollen nur das ankündigen, was anschließend auch zu sehen ist. / Ihr Versprechen, den Informanten zu schützen bindet Sie wie ein Eid. +++ >>>
*** …..4. Nehmen Sie sich die Zeit für die notwendige Vorarbeit und optimieren Sie den kollegialen Informationsaustausch. +++ Kommentar: Qualität entsteht auf Dauer nicht im Alleingang des einsamen Genies. >>> vgl. fachliche Qualifikation
*** …..5. Wenn Sie als Journalist/in PR machen wollen, sagen Sie es Ihrem Leser, Hörer oder Zuschauer! (”Dies ist ein persönlicher Kommentar zum Thema X, der einen ökonomischen Vorteil der Fa. Y nicht ausschließt”). +++ Kommentar: Im besten Fall kennzeichnen Sie Ihren Werbebeitrag nicht nur, sondern Sie trennen Ihre journalistischen Themen von denen des PR-Engagements. >>>
*** …..6. Nehmen Sie als Journalist/in Vorteile, Vergünstigungen und Geschenke nur an, wenn Sie auch bereit sind, sich dafür öffentlich zu bedanken und diese in Ihrem Bericht bzw. Beitrag zu erwähnen. +++ >>>
*** …..7. Versuchen Sie immer, erwiesene Tatsachen und Ihre individuelle Einschätzung (Nachricht und Kommentar) strikt zu trennen. Zwei Meinungen (!) und eine gute Fortbildung sind die Vorraussetzung dafür, dass Sie objektiv berichten. +++ >>> Gegenrecherche
*** …..8. Nutzen Sie verschiedene Informationsquellen, arbeiten Sie möglichst sorgfältig und gestehen Sie ggf. auch ein, wenn Sie sich geirrt oder mangelhaft recherchiert haben. +++ Kommentar: Nur noch ein “news-room” für alle Produkte eines Verlageshauses mit ggf. vorgefilterten Informationen ist zwar kostengünstig und rationell, aber keinesfalls professionell. >>> Pressekonzentration
*** …..9. Bilden Sie sich regelmäßig weiter, nehmen Sie an Fortbildungsveranstaltungen teil. +++ Kommentar: Ohne aktuelles Knowhow, ohne Hintergrund- und Fachwissen, ohne Abwechselung der Ressorts wird Journalismus zur langweiligen Pflichtübung, mit der auf Dauer das Interesse der Leser, Hörer oder Zuschauer nicht ‘gebunden’ werden kann. >>>
*** …..10. Kämpfen Sie nicht nur ‘im Alleingang’ um Ihren Erfolg als Journalist/in. Wer in der Krise zusammenarbeitet, ist auch für die Zeit danach besser auf- und eingestellt. ++++ Kommentar: Ein journalistisches Profil, welches Sie unabhängig von Ihrem jeweiligen Arbeitgeber aufbauen und entwickeln, gibt Ihnen die Freiheit, guten Journalismus zu betreiben.
>>> (c) sfu 2006 Stephan Fröhder