Der Kaperbrief – das Logbuch für die mediale Seefahrt? Editorial IIb

Quelle:  Der Kaperbrief /kaperbrief.de / Der Kaperbrief – das Logbuch für die mediale Seefahrt? Editorial IIb – 15.8.2011 / Über Medien und Medienkritik zu schreiben ist ebenso “unnütz” wie notwendig. Muss man wirklich den Medien, die mit scheinbar unbegrenztem Angebot an Bildern und Texten selbst als Spiegel für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft dienen, ihrerseits noch einmal den Spiegel vorhalten? Reicht es nicht vollkommen aus, dass  ein scheinbar unbegrenztes “breites Angebot” an auf Papier gedruckten, in Radio und Fernsehen, auf Webseiten (Blogs), Handys und kommerziell genutzten Displays verbreiteten Nachrichten über Alles und Jedes aus aller Welt fast immer zur Verfügung steht? Kann nicht jeder interessierte Mediennutzer heute durch einfaches Vergleichen der Nachrichtenangebote ein vollständiges und objektives Bild von dem erlangen, was auf der Welt geschieht? Insofern scheint es ganz überflüssig, sich auf mediale Seefahrten zu begeben und in fremden Umgebungen Informationen zu sammeln, deren Bezug unbekannt und deren Perspektive ungewohnt ist. Jeder Mediennutzer hat zudem seine festen Gewohnheiten, angefangen von der BILDzeitung in der S-Bahn, über den Verkehrsfunk im Autoradio, die Kurznachrichten auf der Freemail-Webseite bis zur allabendlichen Tagesschau (auch als “App“) im Fernsehen.
Spätestens jedoch wenn große Medienkonzerne ins Gerede kommen, wenn Zeitungen ausschließlich als Gewinngeschäft betrieben und Fernsehsender als Propagandainstrumente ihrer privatwirtschaftlichen Eigentümer missbraucht werden, muss sich auch der normale Medienkonsument fragen, ob er noch erfährt, was wirklich auf der Welt passiert. Wer von den Medien nur unterhalten sein (und spielen) will, wird mit dieser Frage im Normalfall wenig Probleme haben.  Da müsste sich schon im eigenen Land eine (Natur-) Katastrophe ereignen oder die Fußballberichterstattung abgesagt werden.
Ganz unbemerkt von der Mehrheit der Nutzer aber hat das Desinteresse an der Frage, wer eigentlich das tägliche Medienangebot erstellt und welche Interessen und “Produktionsbedingungen” dabei wirken, ebenso große Folgen wie ungesunde Ernährung oder atomare Energieversorgung. (c) Der Kaperbrief 2006-2011 (Der Beitrag wird fortgesetzt)

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